Die andere Hälfte der Miete (die Website selbst)

Die optische Gestaltung

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Oder doch? Was die optische Gestaltung einer Website angeht, so habe ich schon vieles erlebt, was mir die Haare zu Berge stehen ließ. Kunden, die ihren alten Webauftritt in Eigenregie optisch neu gestaltet haben und von mir als Agentur-Chef nun die technische Umsetzung realisieren lassen wollten. Das Problem war nur, dass die neue Website keine Verbesserung zur alten darstellte. Aber wie erklärt man das einem Kunden, der einem gerade voller Stolz mitgeteilt hat, dass er dieses tolle Design selbst entwickelt hat? Ebenfalls hoch interessant sind die Fälle, bei denen eine klassische Printagentur eines Kunden ein Design für eine Website vorgegeben hat, die nun wirklich überhaupt gar nichts mit einer Website zu tun hat. Wie erklärt man einem Kunden, dass das Webdesign seiner Printagentur nicht webtauglich ist ohne den Eindruck zu erwecken, sich selbst einen zusätzlichen Designauftrag generieren zu wollen? Insbesondere wenn der Kunde das Design und die optisch Gestaltung als ganz besonders gelungen empfindet.

Insgesamt komme ich zum Fazit, dass sich über eine gelungene optische Gestaltung zwar streiten lässt, man es aber nicht unbedingt in allen Fällen auch tun sollte. Zumindest nicht als Agentur-Chef. Die Diskussion über gelungene optische Gestaltung möchte ich daher im nicht vertiefen, sondern den Designern überlassen. Im Rahmen dieses Buches möchte ich lediglich einige wenige Eckpunkte ansprechen.

Der goldene Schnitt
Eventuell haben Sie diesen Begriff schon einmal gehört. Im Zusammenhang mit der Photografie taucht der Begriff des öfteren auf. Er geht zurück auf einen gewissen Herrn Euklid der herausfand, dass die Trennung von Flächen und Geraden dann vom Menschen als besonders harmonisch empfunden werden, wenn das Verhältnis in etwa 3:5 beträgt. Photografen machen sich dieses zu nutze, beispielsweise bei Landschaftsaufnahmen. Frei nach dem Motto: Man nehme fünf Teile Himmel und drei Teile Erde und platziere den aufzunehmenden Gegenstand dominierend in der Mitte.

Je nach dem, ob die angestrebte optische Gestaltung harmonisch wirken soll oder  auch nicht, kann die Orientierung an solchen Prinzipien durchaus hilfreich sein.

Ebenfalls erwähnenswert finde ich die gezielte Verwendung von Bildern und Ikonen. Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte. Und das Internetbesucher nicht unbedingt gerne und viel am Bildschirm lesen ist im vorangegangenen Kapitel ja bereits ausführlich erörtert worden. Demzufolge  kann es für die optische Gestaltung einer Website durchaus förderlich sein, wenn aussagefähige Ikonen zum Einsatz kommen und das Bildmaterial nicht nur der reinen Zierde dient, sondern auch die Kernbotschaften der jeweiligen Seite unterstützt. Natürlich ist dieses leichter gesagt als getan, denn nicht in allen Fällen wird dieses ohne weiteres möglich sein.

Erwähnen möchte ich im Zusammenhang mit der optischen Gestaltung auch noch die Möglichkeit der Integration von bewegten Bildern mittels. Grundsätzlich sind durch multimedial aufbereitete Inhalte wegen der gleichzeitigen Wahrnehmung über zwei Sinnesorgane höheren Behaltenswerte zu erzielen. Doch ist diesbezüglich Augenmaß geboten. Effizient eingesetzt kann eine Flashanimation einen hohen Nutzwert haben. Falsch eingesetzt kann sie zu Ärger und Frustration führen. Man denke nur an die vielen Begrüßungsanimationen, die spätestens nach dem dritten Besuch der Website das Nervenkostüm strapazieren. Noch schlimmer sind die, bei denen es keine „Skip Intro“ (zu Deutsch: Intro überspringen) Schaltfläche gibt. Zumeist ist die optische Gestaltung dieser Startsequenzen sehr ansprechend. Häufig haben die Kunden die so etwas einsetzen auch viel Geld für die Animationssequenz gezahlt. Doch die meisten Website-Besucher, vor allem die treuen, die wiederkehren, ärgern sich über diese Facette der vermeintlich gelungenen optischen Gestaltung.

 

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